Last Updated: 22. Juni 2023Schlagwörter:

Für So viel Meer unterwegs war

Reisen im ausgebauten Van liegt – auch wegen Corona – voll im Trend. Tomke und Jakob Prößdorf aus Leer leben das ganze Jahr über in ihrem Zuhause auf vier Rädern. Auf Instagram und hier berichten die beiden jungen Fotografen über ihr Vanlife in Ostfriesland und fern der Heimat.

Wir sind Tomke und Jakob und haben im Oktober 2020 unser 130 Quadratmeter großes Haus in Ostfriesland gegen unseren selbst ausgebauten knapp acht Quadratmeter großen Van getauscht und somit unser Leben um 180 Grad gedreht. Seitdem reisen wir mit unserer Labradorhündin Ivy und unserem neuen Zuhause um die Welt.

Jakob kommt gebürtig aus München, wohnt aber bereits seit seiner Kindheit in Leer. Ich bin in Ostfriesland geboren und wohne seitdem auch hier. Kennengelernt haben wir uns in der Schule – seit fast neun Jahren sind wir zusammen und seit einem Jahr verheiratet. Wir haben also unsere Jugend und das Erwachsenwerden gemeinsam gemeistert. 2016 hat Jakob sich mit seinem Unternehmen „FeuerQuell Fotografie“ als Fotograf in Leer selbstständig gemacht und ich bin da quasi mit reingerutscht, da ich ihn von Anfang an in seinem Vorhaben unterstützt habe. Vielleicht fragt ihr euch jetzt, wie kommt man auf den Namen „FeuerQuell“?
Das war so: Jakob hat in seiner Kindheit und Jugend nicht viel gelesen, aber ein Buch hatte es ihm dann doch angetan und da tauchte der Name „FeuerQuell“ auf. Seitdem hat er den Namen überall als alias verwendet – und schließlich auch sein Unternehmen danach benannt.

In den letzten Jahren haben wir sehr viel gearbeitet und das Privatleben kam bei uns definitiv zu kurz. Wir waren echte Workaholics und Familie und Freunde standen oft weit hintenan.

Den Traum, einen Transporter selbst auszubauen und damit auf Reisen zu gehen, hatten wir schon lange. Doch wegen unserer Selbstständigkeit und der damit verbundenen knappen Freizeit war es lange Zeit nicht umsetzbar. Als im Frühjahr 2020 Corona ausbrach und viele Fotografie-Aufträge wegfielen, hatten wir plötzlich Zeit, um uns über ein paar Dinge klar zu werden: Was brauchen wir wirklich, um glücklich zu sein? Was erhoffen wir uns von unserem weiteren Leben? Da wir beide sehr abenteuerlustig und immer offen für Neues sind, haben wir spontan unser Mietshaus gekündigt, einen Transporter gekauft und diesen nach unseren Wünschen ausgebaut. Ein verrückter und risikoreicher Plan wie unsere Familie und Freunde fanden. Trotzdem ließen wir uns nicht beirren, planten und bauten fleißig an unserem neuen Zuhause auf vier Rädern.

Im Oktober 2020 war es dann so weit. Monatelange Arbeit zahlte sich aus und der Tag des Einzugs in den Van kam. Unsere Möbel hatten wir bis dato alle verkauft. Es war ein mulmiges, aber auch sehr befreiendes Gefühl, wir wussten ja nicht wirklich, ob uns das Leben im Van gefällt. Zudem hatten wir uns mit dem nasskalten Herbst in Ostfriesland natürlich nicht gerade die beste Jahreszeit ausgesucht, um das Vanlife zu starten. Aber wir waren voller Vorfreude und bereit für unser neues Abenteuer. Natürlich war es zu Beginn erst mal eine Herausforderung, auf so kleinem Raum zu leben und sich neu zu organisieren. Wir sind froh, dass wir unseren Van von Anfang an ordentlich isoliert und bei unserem Ausbau eine Heizung verbaut haben, sodass wir auch in den kalten und grauen Wintermonaten nicht frieren müssen. Wenn der Wind um den Van weht, es draußen regnet und kalt ist, fühlen wir uns in unserer kleinen Räuberhöhle einmal mehr geborgen. Es gibt für uns nichts Gemütlicheres, als sich ins Bett zu kuscheln, dem Regenprasseln zu lauschen, dabei eine Tasse Ostfriesentee zu trinken und unser Home-Kino zu starten. Denn wir haben eine Leinwand und einen Beamer verbaut, sodass wir immer unsere Lieblingsserien mit Kino-Feeling schauen können.

Wie wir alle wissen, gibt es in Ostfriesland viele Regentage, vor allem im Herbst und Winter. Dann kommen wir durchgefroren vom Spaziergang mit dem Hund zurück. Aber auch für solche Situationen sind wir bestens ausgestattet. Denn wir haben in unserem rollenden Zuhause ein kleines Bad, wo wir eine heiße Dusche nehmen können. Überhaupt haben wir versucht, so viel Komfort wie möglich in unserem Van zu verbauen, da wir 24/7 darin leben und uns Dinge wie eine Dusche, Warmwasser, Toilette und „Smart Home“ sehr wichtig, aber gerade im Vanlife ein absoluter Luxus sind. Wir haben unseren Van also nach unseren Bedürfnissen und Wünschen ausgebaut und sind so glücklich, dass wir diesen Schritt in ein neues Leben gewagt haben. Das Vanlife gibt uns so viel, wir fühlen uns unglaublich frei. Wir lieben unser kleines Haus auf vier Rädern und die Natur ist unser Garten. Die Welt liegt uns zu Füßen. Morgens mitten in der Natur bei Sonnenaufgang und Vogelgezwitscher aufzuwachen, mit Blick auf Seen, Wälder und Wiesen zu frühstücken oder zu kochen, ist einfach fantastisch. In Ostfriesland stehen wir am liebsten irgendwo im Nirgendwo. Da, wo wir niemanden stören und die Natur ganz für uns allein haben.
Viele fragen uns, ob uns nicht etwas fehlt, weil wir nur noch so wenige Sachen haben. Das können wir ganz klar mit Nein beantworten. Jetzt besitzen wir „nur“ noch das, was wir wirklich brauchen. Wir schleppen keinen unnötigen Ballast mehr mit uns rum und haben einen genauen Überblick darüber, was wir haben. Wir haben aber nicht das Gefühl, dass wir weniger besitzen. Sondern ganz im Gegenteil, wir fühlen uns viel reicher und befreiter.

Durch unsere Selbstständigkeit können wir viel von unterwegs aus arbeiten, da wir neben der Fotografie auch eine eigene Werbeagentur haben. Zudem teilen wir unser Leben im Van und unsere Reisen auf Instagram (feuerquell_on_tour) und haben dort auch schon eine kleine Community. In unserem ersten Vanlife-Jahr haben wir bereits 14 Länder bereist, darunter Dänemark, Schweden, Österreich, Italien, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Griechenland, Kroatien und Slowenien. Durch unsere vielen Reisen lernen wir jedes Mal aufs Neue unglaublich tolle Leute kennen, haben inspirierende Gespräche und schließen Freundschaften. Und das sind wirklich Freundschaften fürs Leben! Mit diesen Leuten teilen wir die Leidenschaft zum Reisen, zum Vanlife. Sie haben ähnliche Vorstellungen und Ansichten vom Leben wie wir, und so sind wir auf eine ganz besondere Art und Weise miteinander verbunden.

Im November waren wir in Griechenland auf unserer Lieblingsinsel Lefkada. Eine griechische Insel, in die wir uns im April 2021 verliebt haben. Die Weihnachtszeit haben wir allerdings in Ostfriesland im Kreise unserer Liebsten verbracht. Zudem steht noch ein cooles Projekt in der Heimat an: Wir planen gerade ein Tiny House. Aber wir sind auch schon voller Vorfreude auf die nächsten Reisen mit unserem Van. Die nächsten Ziele werden unter anderem Norwegen und Portugal sein, oder vielleicht spontan doch was ganz anderes. Gern könnt ihr uns auf unseren Abenteuern begleiten. Wir freuen uns darauf, euch mit an Bord zu haben!

Fotos: FeuerQuell Fotografie

Unsere persönlichen Must–Haves fürs Vanlife:

1. Trinkwasserfilter
2. Werkzeug
3. Toilette und Dusche
4. Jede Menge Abenteuer- und
Entdeckerlust!
5. Kamera, Kamera, Kamera und im Notfall noch eine Kamera! ;-)

Jakob und Tomke im Glück

Sie haben sich ihren Traum vom Vanlife erfüllt. Jetzt können sie unterm Sternenzelt einschlafen und mit Meerblick aufwachen. Die Kamera haben sie immer dabei, denn tolle Motive gibt es überall. Das Foto links, eines ihrer absoluten Lieblingsbilder, entstand im November auf der griechischen Insel Lefkada. „Wir hatten das Glück, dass die Milchstraße genau zum richtigen Zeitpunkt hier auf Lefkada sichtbar war. Der Sternenhimmel, der uns jedes Mal aufs Neue aus den Socken haut, weil er so unfassbar schön und magisch aussieht“, schreiben sie in ihrem Instagram-Post.

„Unser Place to be“

In die griechische Insel Lefkada haben Tomke und Jakob sich verliebt und sind im letzten November gleich noch mal hingefahren. Zehn Tage verbrachten sie an ihrem liebsten Stellplatz. Das „No Help“-Luftbild war eine Fotoidee der beiden: „Bitte nicht retten! Wir sind im Paradies gelandet!“ „Sobald wir auf Tour sind, unseren Alltag in der Heimat hinter uns lassen und uns frei wie ein Vogel fühlen, sprudeln wir nur so vor Kreativität“, schreibt Tomke. „Das kommt mir auch beim Kochen zugute, denn unterwegs lasse ich mich von der Umgebung, dem Land und den Einheimischen inspirieren. Ich koche dann am liebsten Freestyle und nach Gefühl.“

Spieleabend mit Meerblick

In der Vanlife-Szene lernt man sich nicht nur schnell kennen, sondern reist auch gemeinsam. Tomke und Jakob lieben abendliche Gespräche mit neuen Freunden und leckeren Snacks. Zu Hause in Leer lieben sie den Hafen mit dem historischen Dampfschiff „Prinz Heinrich“, die schöne Altstadt und natürlich ihre Familie. So zieht es sie immer wieder nach Ostfriesland zurück.

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