Last Updated: 27. Juni 2023Schlagwörter:

Für So viel Meer unterwegs war

Der Campingplatz „Eiland“ auf Norderney

Camping ist nicht erst seit Corona voll im Trend. In Deutschland gibt es rund 3000 Campingplätze, mehr als 30 davon allein auf der ostfriesischen Halbinsel. Dem einen Gast geht es um die Freiheit, einfach eine Weile dort zu bleiben, wo es gefällt. Andere schaffen sich ein Campingreich für den ganzen Sommer – samt rollender Residenz. Auf Norderneys Campingplatz „Eiland“ geht beides – inklusive Inselfeeling pur und einer ordentlichen Portion ostfriesischer Gelassenheit. Stefan Heinrich hat sich dort umgesehen und umgehört.

Klaus Harms ist ein vielbeschäftigter Mann, besonders in den Sommermonaten. Doch eins lässt der Campingplatzbetreiber sich auch in der Hochsaison nicht nehmen: Der Chef weist alle Neuankömmlinge persönlich ein – so viel Zeit muss sein. Auf seinem Campingplatz, der den liebevollen Namen „Eiland“ trägt, gibt es keine nummerierten Parzellen; wer wo campen darf, das weiß nur der Platzleiter persönlich. Wohnmobile, Wohnwagen und jede Menge Zelte – das geht nicht ohne Regeln und jemanden, der sagt, wo’s langgeht. Das übernimmt Klaus gemeinsam mit Ehefrau Silvia schon seit 27 Jahren. Den Campingplatz leitet seine Familie bereits in vierter Generation. Von April bis Oktober arbeiten die beiden durch – und das praktisch ohne fremde Hilfe: Sanitäranlagen putzen, Platz instand halten, ein- und auschecken. Silvia kam Anfang der 1990er als Urlauberin nach Norderney, verliebte sich in Klaus und blieb – seitdem arbeiten und leben die beiden auf ihrem Campingplatz. „Man muss sich aufeinander verlassen können, das ist eine Grundvoraussetzung, sonst kann man so einen Betrieb kaum führen“, sagt Silvia. Die beiden sind mit Herzblut dabei, um ihren Campern einen unvergesslichen Urlaub auf der beliebten ostfriesischen Insel zu bereiten. „Wir modernisieren unseren Platz regelmäßig und gehen mit der Zeit, das macht uns Spaß und ist uns wichtig.“

Seit 1929 bewirtschaftet Familie Harms das vom Land Niedersachsen gepachtete Stückchen Insel – erst mit einem Bauernhof, ab Anfang der 1970er dann als Campingplatz. Klaus‘ Eltern verkauften einst die Kühe, um Platz zu haben für Camper aus ganz Europa. Die beiden heutigen Betreiber haben aus dem einfach gehaltenen Zeltplatz einen modernen Campingplatz gemacht, der sich seinen Charme aus alten Campertagen bewahrt hat. Egal, welche Art von Zelt oder rollende Residenz – wenn Klaus noch irgendwo eine freie Ecke findet, dann ist hier jeder willkommen. Und es lohnt sich: Der Campingplatz „Eiland“ befindet sich im Osten der Insel und liegt idyllisch in den Dünen – nur das Vogelgezwitscher dringt hier bis zur Zeltwand oder Wohnmobiltür. Vom Campingstuhl oder von der Luftmatratze aus kann man dafür das Meeresrauschen hören. An den Fensterscheiben der Wohnwagen bilden sich an windigen Tagen dank der Meeresbrise kleine Salzkristalle. Wer es naturnah möchte und dabei trotzdem nicht auf einen gewissen Komfort verzichten kann, der ist hier genau richtig. Die Sanitäranlagen sind runderneuert, ein kleiner Lebensmittelkiosk bietet alles Notwendige und für jedes Wohnmobil ist ein eigener Strom- und Wasseranschluss vorhanden. Auch für Familien ist „Eiland“ perfekt: Der weitläufige und wunderschöne Badestrand ist nur wenige Hundert Meter entfernt und zu Fuß in ungefähr fünf Minuten über einen kleinen Dünenweg zu erreichen. Wer früh aufsteht, der kann dort Rehe entdecken oder Vögel beobachten. Im Urlaub ist der Campingplatz der perfekte Ausgangsort für Fahrradtouren oder Ausflüge über die Insel. Kurzum: „Eiland“ ist klein, aber wirklich fein und verbindet das Schöne mit dem Praktischen.

Für Silvia und Klaus ist es jeden Sommer aufs Neue spannend, wer den Weg zu ihnen auf die Insel findet. Auf eins können sich die beiden Campingplatzbetreiber zum Glück verlassen: Mit der warmen Jahreszeit kommen die Camper und wintermüden Wohnmobilisten. Obendrein gibt es auch eine ganz neue Generation Camper. Junge Familien, die nach draußen wollen und dafür auf den einen oder anderen Luxus gern verzichten. So auch die Gieses aus Ratingen. Vor dem Familienzelt wird gerade das Mittagessen vorbereitet, es duftet nach gekochten Tomaten und frischen Kräutern: Mutter Christina kocht, die Kinder Lea und Noah schneiden Gemüse. Die Gieses sind nur mit dem Nötigsten ins Camping-Abenteuer gestartet. „Das Gefühl der Freiheit liebe ich, und dass man wirklich runterkommt und abschaltet, von all den Sorgen und all den Dingen, die im Alltag so kompliziert erscheinen“, sagt Christina. „Wenn ich dann hier bin und sehe, dass wir mit ganz einfachen Sachen zurechtkommen, dann glaub ich, dass wir auch zu Hause sehr viele Dinge schaffen können.“

Auch wenn Familien wie die Gieses keinen bestimmten Campinglifestyle verfolgen, so haben sich in den letzten Jahren doch unterschiedliche Formen des Übernachtens unter freiem Himmel entwickelt: Beim „Glamping“ zum Beispiel darf die Portion Luxus auch auf dem Campingplatz nicht fehlen. Und wer eine feste Behausung sucht, kann sich neuerdings auch in sogenannten Tiny Houses einquartieren.

Familie Giese kommt seit sechs Jahren regelmäßig aus Nordrhein-Westfalen nach Norderney – mit Zelt und ohne Schnick-Schnack: kein W-Lan, keine Konsole, dafür viel Zeit mit der Familie. Mutter Christina macht das ganz bewusst so: Gaskocher statt Ceranfeld, Luftmatratze ohne Sieben-Zonen-Kaltschaum, Taschenlampe ersetzt Halogen – den Kindern passt das nicht immer in den Kram. „Es hat Vorteile und Nachteile im Zelt zu sein. Zum Beispiel mag ich es nicht, in einem Schlafsack zu schlafen, denn ich liege am liebsten auf dem Bauch und schiebe meine Arme unter das Kissen – das geht im Schlafsack natürlich nicht so gut“, findet Noah – und kommt trotzdem jedes Jahr wieder gern mit. Die Vorteile und der Spaß überwiegen dann eben doch beim Campen – auch für einen Teenager. Außerdem wissen die Kinder, wie gern Mama campen geht. Christina mag es eben, im Freien zu kochen. Ihre kulinarischen Künste auf dem Campingkocher haben sich bis zu den Platzleitern Silvia und Klaus Harms rumgesprochen. Gern kommen sie bei der jungen Familie auf einen Schnack vorbei, die Einladung zum Mittagessen allerdings müssen sie schweren Herzens ablehnen. „Wir versuchen, alle gleich zu behandeln, alle so wie sie sind. Aber das ist gar nicht so einfach: Wenn ich mit einem einen Kaffee trinke, dann will der andere auch einen Kaffee mit mir trinken, oder einen Schnaps, das schaffen wir nicht den ganzen Sommer lang.“ Für die Gieses ist es die letzte Mahlzeit auf dem Campingplatz, morgen geht es zurück nach Ratingen. Vorher noch eine herzliche Verabschiedung, dazu die Reservierung für das nächste Jahr. Bei Platzleiter-Ehepaar Harms geht eben vieles entspannt und auf dem kurzen Dienstweg. „Eine Vorreservierung macht durchaus Sinn“, sagt Klaus. „Erstens kann man sich dann schon mal auf seinen Urlaub freuen und zweitens weiß man, welchen Platz man bekommt.“

Silvia und Klaus Harms wollen auch in Zukunft voll auf Camping setzen. Gut so, denn Branchenexperten rechnen fest damit, dass die Begeisterung für eine Auszeit mit Ferienwohnung auf vier Rädern oder dem Zelt weiter ansteigt. Fünf Millionen deutsche Camperfans gibt es schon, pro Jahr werden über 60 000 weitere Wohnmobile angemeldet – auch wenn nur ein Bruchteil davon nach Norddeutschland kommt und wenige auf den kleinen Platz „Eiland“ auf Norderney.

Camping Norderney

Der Campingplatz liegt im Ostteil der Insel, einen Kilometer hinter dem Leuchtturm. Badestrand (auch FKK) direkt hinter den Dünen. Bushaltestelle in der Nähe.

Camping Norderney Luftbild

Wohnmobile: zehn Touristikstandplätze und 100 Dauerstandplätze mit Wasser- und Stromanschluss. Zwei Mietwohnwagen, komplett eingerichtet für bis zu vier Personen. Hunde sind mit Ausnahme der Mietwohnwagen erlaubt. Geöffnet von Anfang April bis Ende Oktober.

Silvia und Klaus Harms

Kontakt: Campingplatz Eiland Am Leuchtturm 10, 26548 Norderney www.camping-eiland.de

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