Last Updated: 29. Juli 2023Schlagwörter: ,

Für So viel Meer unterwegs war

Die kleine Stadt Aurich liegt mitten drin in Ostfriesland. Auch daher gilt sie wohl als die heimliche Hauptstadt der Region. Schon dieser Zusatz hat Travel-Bloggerin Tanja Klindworth und ihre Familie neugierig gemacht. Sie wollten herausfinden, was das Städtchen zu bieten hat und was sie als echte Kleinstadtfans vor Ort entdecken und erleben können.

Also Aurich, dann zeig uns mal, was du kannst! Bei unserem Besuch präsentiert sich das Herz von Ostfriesland typisch norddeutsch. Die Sonnenstrahlen versuchen sich an diesem Tag immer wieder einen Weg durch die dicke Wolkendecke zu bahnen. Regenstimmung liegt in der Luft, doch zum Glück werden die Gewitterboten am Himmel dann doch immer wieder vom Wind, der hier oben im Norden meist kräftig pustet, verscheucht. Trockenen Fußes erreichen wir somit die Altstadt von Aurich, um gemütlich durch die alten Kopfsteinpflaster-Straßen zu bummeln. Tatsächlich lässt sich die Geschichte des Städtchens bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Erstmalig wurde Aurich als Aurechove 1276 im sogenannten Brokmerbrief erwähnt. Siedlungsspuren, die bei Ausgrabungen entdeckt wurden, lassen sich sogar zurückverfolgen bis ins 9. Jahrhundert. Doch genug zur Geschichte: Lieber lassen wir uns begeistern von den pittoresken Backsteinhäusern mit den niedlichen Sprossenfenstern und sauber geputzten, weiß eingefassten Türen, Giebeln und historischen Fassaden. Die meisten davon finden sich in der Burgstraße. Einen besonderen Hingucker in der Innenstadt bietet das mit Rosen bewachsene Ensemble aus der historischen Gaststätte Zur Börse (erbaut um 1823) und Aurichs ältestem Bürgerhaus, erbaut um 1630, gleich nebenan. Im Hintergrund zeigen sich malerisch die historischen Torpfeiler Athene und Bellona, die seit 1976 den westlichen Eingang zur Fußgängerzone bewachen. Ursprünglich standen die Säulen im Eingangsbereich des fürstlichen Lustgartens Julianenburg, der um 1640 in der Nähe des Schlosses angelegt wurde. Bei unserem Spaziergang durch das charmante Aurich entdecken wir noch einige weitere hübsche Hausfassaden. Heute beherbergen die meisten davon reizende Lädchen wie beispielsweise die Teemanufaktur, in der wir nicht nur neue leckere Teesorten kosten, sondern auch gleich kräftig den Rucksack mit Einkäufen füllen.

Wahrzeichen und Geheimtipps

Der Weg führt uns weiter durch die Stadt und schließlich landen wir vor der Drogerie Maaß. Sie gilt nicht nur als wohl älteste erhaltene Drogerie in Ostfriesland, sondern auch als echter Geheimtipp in Aurich. Fast fühlen wir uns in eine andere Zeit versetzt, als wir uns durch den Verkaufsraum staunen. Bei einem kurzen Schnack mit der Inhaberin erfahren wir: Die Drogerie befindet sich bereits seit 1855 in Familienbesitz – mittlerweile in der vierten Generation. Selbstverständlich füllt sich auch hier wieder unser Rucksack mit Einkäufen.

Weiter stehen für unseren Ausflug natürlich auch die Wahrzeichen von Aurich auf dem Entdeckerprogramm. Somit lauten unsere nächsten Ziele: Lambertikirche, Ostfriesische Landschaft, Pingelhus, Mühlenmuseum, Stiftsmühle und schließlich das Auricher Schloss mit Marstall. Das Wahrzeichen der Lambertikirche ist nicht etwa die Kirche selbst, sondern ihr Turm, der schon aus einiger Entfernung zu sehen ist. Jeden Tag um 21 Uhr ist das Feierabendgeläut zu hören. Umgeben wird die Kirche vom Lambertshof. Gegenüber befinden sich das Hansteinische Haus, das älteste noch erhaltene Haus mit mittelalterlichem Mauerwerk, und die Gaststätte Ewige Lampe.

Der Name Ostfriesische Landschaft sorgt im ersten Moment für etwas Verwirrung. Denn es handelt sich dabei  nicht etwa um einen Landschaftspark, sondern um ein schmuckes Neu-

Renaissance-Gebäude. Einst als Ständevertretung gegründet von Bauern, Bürgern und Rittern, dient die Institution heute als Ort der Bewahrung und Förderung der ostfriesischen Tradition und Kultur.

Weiter zum Auricher Schloss. Wo es heute steht, war ursprünglich eine Burg. Aufgrund ihres schlechten Zustandes trug man sie kurzerhand ab und erbaute innerhalb von vier Jahren ein Schloss. Lediglich Südflügel und Turm blieben noch aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Gegenüber vom Schloss befindet sich wohl eines der schönsten Gebäude in Aurich, der mit Arkaden gesäumte Marstall. Einst als höfischer Pferdestall erbaut, ist er heute die Heimat vom Niedersächsischen Landesamt für Bezüge und Versorgung. Umgeben ist das Schloss von einer adretten kleinen Parkanlage mit steinernen Löwen, die vor dem Schloss wachen.

Der Besuch in der Stiftsmühle in Aurich lohnt gleich aus drei Gründen. Sie gilt als höchste historische Windmühle, die in Deutschland besichtigt werden kann und birgt außerdem ein Mühlenmuseum. Überhaupt: Mühlen gehören einfach zu Ostfriesland.

Schmucke Gebäude:

Das Pingelhus und die Ostfriesische Landschaft.

Fahrt ins Blaue

Für unsere weiteren Erkundungen verlassen wir die Altstadt von Aurich und schwingen uns im Hafen aufs E-Bike. Um Aurich in allen Facetten auf zwei Rädern zu erleben, bieten sich gleich vier unterschiedliche Tagestouren an, die zu den schönsten Orten der Stadt führen und darüber hinaus einen überraschenden Blick auf die besondere ostfriesische Landschaft ermöglichen. Sie sind zwischen 21 und 45 Kilometer lang und wurden nach unterschiedlichen Schwerpunkten zusammengestellt. Unser Tipp: Für die perfekte Navigation einfach die App „Grenzenlos-Aktiv“ nutzen. Dort sind auch die Touren in Aurich hinterlegt und der Download ist kostenfrei. Gut zu wissen: Fahrräder, E-Bikes und Boote können beim Hafenmeister in Aurich gemietet werden. Kosten für ein E-Bike pro Tag: 25 Euro.

Wir entscheiden uns für eine Mischung aus Nord- und Süd-Route. Dabei steuern wir nicht nur das Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrum (EEZ) an. Der Weg führt uns entlang des Ems-Jade-Kanals, vorbei an Schleusen und Brücken, der historischen urigen Gaststätte Kukelorum, in der wir uns eine kleine Pause im sonnigen Biergarten gönnen, bis wir schließlich beim ehemaligen Kloster Ihlow landen. Idyllisch gelegen im Wald strahlt es eine ganz besondere Ruhe aus. Als plötzlich auch noch die Glocken des illuminierten Nachbaus erklingen, ist die Szenerie nahezu perfekt. Auf dem Rückweg nach Aurich legen wir schließlich noch einen Abstecher zum Mausoleum der früheren Gräfinnen und Grafen Ostfrieslands ein, bevor wir die E-Bikes am Hafen wieder abgeben.

Das Auricher Schloss

Tipps & Infos

Kukelorum

Die historische Gaststätte Kukelorum an der gleichnamigen Schleuse am Ems-Jade-Kanal in Richtung Emden wirkt auf den ersten Blick einfach einladend. Die mit Rosen bewachsene Fassade und die pittoresk eingerichteten Gasträume strahlen eine gemütlich-entspannte Gastlichkeit aus. Wir fühlen uns gleich wohl und sehr willkommen und stärken uns bei einer typisch ostfriesischen Spezialität, dem „Snirrtjebraa“.

Snirrtjebraten ist eine typisch ostfriesische Spezialität, obwohl kein Fisch, wie man vielleicht  für die Region annehmen könnte, sondern eine Art Schweineschmorbraten, serviert meist mit Rotkohl und Kartoffeln. Sniertjen ist Plattdeutsch und bedeutet brutzeln. Ursprünglich war der Snirrtjebraten das gemeinsame Essen nach dem Schweine-Schlachten. Der fettreiche Nacken oder die Schulter wurden als Erstes aus dem Schwein herausgeschnitten und grob zerteilt, gewürzt, angebraten und während der restlichen Schlachtung geschmort.

Kukelorum

Boomweg 26, 26605 Aurich

Öffnungszeiten:

Mi, Do: 15–21.30 Uhr

Fr, Sa: 15–23 Uhr

So: 10–20 Uhr

www.kukelorum.net

Energie zum Anfassen im EEZ

Das EEZ ist unser besonderer Ausflugstipp nicht nur für Familien. Hier wird sehr anschaulich die Frage gestellt, woher kommt eigentlich unser Strom und wie wollen und können wir den in der Zukunft produzieren? Die interaktive Ausstellung rund um regenerative Energien wird ergänzt durch wechselnde Sonderausstellungen. Im August heißt es beispielsweise „Planet Gesundheit“ in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Schon von außen wirkt das Gebäude futuristisch und beeindruckend, fast als wäre ein Raumschiff auf der Wiese gelandet. Im Innern der Einrichtung eröffnen sich verschiedene Stationen mit umfangreichen Informationen, aber auch spannenden Experimenten, Spielstationen und beeindruckenden filmischen Illuminationen. Das Thema Energie auch in Bezug auf Umwelt- und Naturschutz wird im EEZ an- und erfassbar. Mit Sinn und Geist werden Zusammenhänge erkannt. Langeweile kommt da bestimmt nicht auf. Neben der Möglichkeit selbst zu experimentieren, können wir auch die Gondel einer Windenergieanlage betreten oder vom Turm des Zentrums einen Blick über die Region werfen. Ein besonderes Angebot hält das EEZ als Bildungszentrum bereit, denn ein Ziel der Einrichtung ist es auch, mehr Kinder und Jugendliche für Handwerk- und Naturwissenschaften zu begeistern. Dafür stehen nicht nur spezielle Lernräume zur Verfügung, sondern auch Lehrpersonal der Fächer Physik, Chemie und Biologie.

Stärken kann man sich im Bistro, das übrigens überwiegend regionale und saisonale Speisen und Getränke anbietet. Die Anlage ist umgeben von einem Naturerlebnispfad mit heimischen Obstbäumen. Insgesamt säumen rund 125 Obst- und Apfelbäume den kleinen Rundwanderweg. Sie wechseln sich ab mit Info-Tafeln zur Tier- und Pflanzenwelt, aber auch zu architektonischen und technischen Themen.

Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrum (EEZ)

Osterbusch 2, 26607 Aurich

Öffnungszeiten:

Mo, Mi–Fr: 9–17 Uhr

Sa, So, Feiertag: 10–18 Uhr

www.eez-aurich.de

Kloster Ihlow – Ort der Stille

An der Klosterstätte Ihlow steht heute nur noch ein Nachbau des ehemaligen Zisterzienserklosters aus Stahl, Holz und Backsteinsäulen. Das mächtige Gerüst mitten im Wald beeindruckt mit Glockenturm und einer Höhe von fast 45 Metern. Ein Klostergarten mit zahlreichen Pflanzen und Kräutern informiert über deren Wirkung und Bedeutung im Mittelalter. Wir genießen die Ruhe und lassen an diesem Ort Stille und Natur den Moment einfach auf uns wirken.

Kloster Ihlow

Zum Forsthaus 1, 26632 Ihlow

Öffnungszeiten:

Klosterstätte ganzjährig frei zugänglich

Klostercafé & Klosterladen
Di–Sa: 14–17 Uhr, So: 11–18 Uhr

www.kloster-ihlow.de

Mausoleum

Die Ruhestätte der früheren Häuptlinge Ostfrieslands liegt mitten auf dem Friedhof von Aurich. Schon von außen wirkt der neoromanische, zehneckige Backsteinbau beeindruckend und wir erahnen, welche Prunksarkophage im Innern lagern. Eine Besichtigung der Räume ist bei unserem Besuch leider nicht möglich und so schlendern wir über den Friedhof und staunen über die zum Teil sehr alten verwitterten Grabsteine.

Mausoleum

Adolf-Dunkmann-Straße 9a, 26603 Aurich

Führungen:

Mai-September, erster Donnerstag im Monat, 17 Uhr
(unbedingt vorher anmelden unter 04941-4464)

Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrum (EEZ)

Technik erleben

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